Vorsicht in der Grillsaison: Finger weg vom Spiritus!

21. Mai 2011

Immer wieder kommt es zu schweren Brandverletzungen beim Grillen. So schützen Sie sich vor Verbrennungen beim Grillvergnügen.

„Fahrlässiger Umgang mit flüssigen Brandbeschleunigern beim Grillen führt leider immer wieder zu schweren Verbrennungen“, berichtet Professor Hans-Eberhard Schaller, Direktor der Klinik für Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik. „Die Verletzungen betreffen in vielen Fällen Hände, Arme und Gesicht und müssen chirurgisch behandelt werden.“ Mancher Grillabend endete auch schon auf der Intensivstation der Klinik. Schaller: „Spiritus als Brandbeschleuniger kann beispielsweise im Zusammenspiel mit Alkohol und fehlendem Risikobewusstsein zu schwersten, lebensbedrohlichen Brandverletzungen am ganzen Körper führen.“ Sein Rat an alle Grillfreunde ist deshalb eindeutig: „Finger weg von flüssigen Brandbeschleunigern beim Grillen. Wer in Folge von übermäßigem Alkoholgenuss in seinem Reaktionsvermögen eingeschränkt ist, gehört ebenfalls nicht an den Grill.“ Zur Herstellung einer gleichmäßigen Glut sollten bevorzugt trockene Grillanzünder verwendet werden. Vor deren Einsatz ist die Gebrauchsanleitung des Herstellers gründlich zu lesen und zu befolgen. „Kinder sollten von Grillgeräten fern gehalten werden. Sie sind häufig neugierig und können die Gefahren, die für sie vom Grill ausgehen, in keinster Weise einschätzen“, warnt Professor Schaller.

Zur Ersten Hilfe bei Verbrennungen sagt Oberarzt Dr. Afshin Rahmanian-Schwarz, Facharzt für Plastische, Hand- und Verbrennungschirurgie: „Die wichtigste Sofortmaßnahme ist und bleibt das Kühlen der verbrannten Hautstelle. Hierzu kann man Leitungswasser nehmen, das auf keinen Fall eiskalt sein sollte. Die richtige Kühltemperatur liegt bei etwa 10 bis 20°C.“ Das sofortige Kühlen der geschädigten Haut mit Wasser soll verhindern, dass die thermische Schädigung in ihrem Schweregrad weiter zunimmt und sich weiter in die Tiefe ausbreitet. Wichtig ist hierbei rasches Handeln. Rahmanian-Schwarz: „Beginnen Sie sofort mit der Kühlung. Nur dann tritt der gewünschte positive Effekt ein. Kühlen Sie für maximal 10 Minuten.“ Zu lange Kühlung oder die Verwendung von zu kaltem Wasser sind eher schädlich. „Bei Verbrennungen des Gesichts oder größerer Hautflächen, wie Arm, Bein oder Bauch, sollte man nicht zögern, den Notarzt zu rufen“, rät Rahmanian-Schwarz. „Verbrennungen des Gesichts gehen häufig auch mit gefährlichen Verbrennungen der Atemwege einher. In solchen Fällen muss der Notarzt die Atemfunktion des Verletzten schnell sichern. Außerdem sollte sofort vor Ort die sehr wichtige Schmerztherapie eingeleitet werden.“ Der Notarzt wird dann auch über die notwendige Weiterbehandlung entscheiden.

„Kleinere Verbrennungen können in jeder chirurgischen Klinik behandelt werden. Patienten mit großflächigen Brandverletzungen gehören in spezielle Zentren für Schwerbrandverletzte wie die BG Klinik“, betont Professor Schaller. Verbrennungen an Händen und Füßen, im Gesicht, im Genitalbereich sowie an den großen Gelenken sollten ebenfalls von Fachleuten für Verbrennungschirurgie behandelt werden. Schaller: „Die Heilungschancen dieser Patienten sind deutlich besser, wenn sie rasch in ein Schwerbrandverletzten-Zentrum verlegt werden.“