Musik aus Kuba

26. Dezember 2013
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Wieder einmal mit dem kubanischen SEPTETT TIPICO TIVOLI

Die Stadt Santiago de Cuba darf zum Glück zu ihren Musikensembles das Septett TIPICO TIVOLI zählen. Dieses pflegt ein Repertoire von höchst echter Traditionsmusik. Die Formation entstand im Jahre 1995 im populären Quartier Santiagos EL TIVOLI, der reichen Traditionsschmiede. Im Verlauf der vergangenen 18 Jahre ist es ihr gelungen, ihre herausragende Eigenart  im Vergleich zu gleichen Formationen zu entwickeln. Qualität ihrer Kompositionen und Virtuosität der Spieler heißen die Wurzeln dieses Erfolges. Eine fast einmalige Beweglichkeit der Musiker, welche sich verblüffend problemlos in Duos, Trios, Quintett usw.  auflösen und nach Wunsch und Laune des Augenblicks wiederbilden und nahtlos verformen lassen, gehören zu ihren Stärken.

Septeto Tipico Tivoli

Zu den bevorzugten Interpretationen dieser jugendlichen Vollblutmusiker gehören Werke von Großen der Traditionsmusik von Santiago de Cuba wie Miguel Matamoros, Ñico Saquito, Sindo Garay, Francisco Repilado, durch Compay Segundo bekannt geworden, da er dem weltweit bekannten Buenavista Social Club in Europa beitrat. Sie interpretieren wohl auch Werke nationaler und internationaler Komponisten in ihren Konzerten, sodass wir in ihren CDs eine Fülle von Stücken verschiedenster Herkunft entdecken wie el Son, el Bolero, la Guaracha, la Bachata, el Merengue, el Guanguancó und la Rumba. Noch ein Grund mehr, warum sich ihre Produktionen einer so bemerkenswerten Beliebtheit erfreuen.

Auf ihrer musikalischen Laufbahn und dank der Qualität der CDs trugen sie ihre Musik von einem wichtigen Kulturzentrum zum anderen im eigenen Lande, nämlich in El Gato Tuerto, Dos Gardenias, Taberna Amigos del Benny, Tropicana Matanzas und Santiago sowie andere. Gleicherweise beteiligten sie sich an mehreren internationalen Festivals des Minnegesangs, an den Kulturwochen Santiagos im Messegelände von Expo Cuba und dem Festival Septetos Ignacio Piñero. Sie bestritten auch einen Teil an Inszenierungen der besten Orchester Kubas.
1998 begaben sie sich auf die erste internationale Tournee nach Spanien, Belgien und Frankreich. Die Franzosen empfingen sie am freudigsten, sodass ihr Aufenthalt mehr als 3 Monate mit großem Publikumsauflauf dauerte. Die dortigen Kritiker waren voll des Lobes und die Anerkennung durch mehrere Regionalregierungen und deren Spezialisten war beeindruckend. Darauf besuchten sie die USA und England, wo sie ebenso überraschenden Erfolg ernteten.

Santiago de Cuba
Stadtband Santiago de Cuba

Bis jetzt hat das Septett TIPICO TIVOLI 5 Scheiben gebrannt, praktisch alle mit dem EGREM-Stempel, welche nun die letzte, bisher noch namenlose Ausgabe in Angriff genommen hat.

Wer ihre Klänge genießen möchte, trifft sie jede Woche im Patio de los dos Abuelos in der Stadt Santiago de Cuba, wo die beste Traditionsmusik ihres Ensembles zum Feierabend erschallt.

 

Über 100 Jahre Einsatz der Stadtband von Santiago de Cuba
Von Marco Antonio Martínez Cabrerizo und Alex Michel Reyes Martínez (Fotos: Alex Michel)

Die Geschichte der Stadtmusik von Santiago de Cuba ist sehr eng verbunden mit dem Freiheitskampf des Karibikstaates und den 7 Musikern der Band „La Niña Bonita“, welche vom General José Maceo auf den Schlachtfeldern des Unabhängigkeitskrieges Cubas im XVIII. Jahrhundert gegründet wurde.

Nach jenem Krieg und dank der Bemühungen der sieben Gründermusiker in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister der  Oststadt, Don Emilio Bacardi Moreau, blieb die Band öffentlich registriert und bot ihr erstes Konzert am 15. September 1900 in dem heutigen Parque Céspedes. Im Verlaufe der Pseudorepublik erlebte die Band Höhen und Tiefen, was auf die wechselnden Ideen der ebenso oft wechselnden Bürgermeister zurückzuführen war. Diese mischten sich nach Belieben in das Bandleben ein, was bis zur Widerrufung der Dirigenten führte. Zudem mussten die Spieler aufgrund der damals herrschenden Nöte weitere Arbeitsmöglichkeiten suchen, um zu überleben. Es darf jedoch festgehalten werden, dass die Musiker niemals ihre künstlerischen Übungen und Proben vernachlässigten und nach und nach bildete sich unter den Städten die Tradition, an ihren Entspannungskonzerten teilzunehmen. Diese fanden damals regelmäßig am genannten Ort statt.

Ende der 50er Jahre war die Tätigkeit der Formation stark reduziert durch die Überhandnahme der Batistadiktatur, sodass die Proben am Morgen stattfinden mussten und die Konzerte nur mit Erlaubnis der Behörden stattfinden durften. Nach dem Triumpf der Revolution, am 1. Januar 1959 änderte sich alles und die Band  diente der Begleitung sämtlicher Feierlichkeiten revolutionärer Vorkommnisse. Die Strukturen wurden neu gebildet und man ernannte Alcibiades  Castillo Justiz zum Ehrendirigenten.

1974 ging die Führung an seinen Sohn, den Maestro Alcides Castillo Peñalver über. Damit begann eine brillante Etappe. Man öffnete die Tore für junge Musiktalente und nationale wie internationale Werke mit hohen, technischen Ansprüchen bereicherten das Repertoire von Sinfoniekonzerten bis zu sämtlichen kubanischen Musikstilen. Die Band hat unter der Leitung von Maestro Alcides als Schule der Ausbildung von sich folgenden Generationen Santiago de Cubas gewirkt. Aus ihr gingen Persönlichkeiten des Formates vom unvergesslichen Troubadour Francisco Repilado hervor, bekannt durch Compay Segundo und seinen Beitritt am Lebensabend in den Buenavista Social Club. Gegenwärtig tritt die Band jeden Samstag und Sonntag im Parque Céspedes in Santiago de Cuba auf und ihren Melodien wird von Jung und Alt begeistert gelauscht, ja oft fröhlich ausgelassen dazu gesungen und getanzt.

Mitarbeit: Alex MIchel Reyes Martinez. Fotos: Alex Michel

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