Was kann man bei vorzeitigem Samenerguss tun?

27. März 2014

Jugendlich, fit, vital – immer mehr Männer setzen sich aktiv für ihre Gesundheit ein. Fest steht: Neben einer bewussten Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann ein befriedigendes Liebesleben viel zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden beitragen. Grund genug, bei sexuellen Funktionsstörungen wie dem vorzeitigen Samenerguss professionelle Hilfe zu suchen. „Männerärzte“ wie Urologen und Sexualmediziner sind spezialisiert auf intime Probleme, für sie gehört das Thema sexuelle Funktionsstörungen zum „daily business“. So können sie Betroffenen die Scheu vor unangenehmen Fragen oder Untersuchungen nehmen und ihnen Behandlungsmöglichkeiten anbieten.

Früher galt derjenige als gesund, der nicht krank war. Mit Beginn der Wellness-Bewegung in den 70er- und 80er-Jahren sind die gesellschaftlichen Ansprüche an die Gesundheit gewachsen. Für die Weltgesundheitsorganisation ist Gesundheit inzwischen „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und seelischen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ Umweltbedingungen, Arbeitsumstände, Lebensweise – zahlreiche Faktoren spielen eine Rolle für das Befinden eines Menschen und eine ganze Reihe davon lassen sich selbst beeinflussen. So kann zum Beispiel neben einer nährstoffreichen Kost sowie ausreichender Entspannung und Bewegung auch befriedigender Sex die Gesundheit und persönliche Zufriedenheit fördern.

Vielen Paaren fehlt Zeit für die Liebe

Trotz der positiven Effekte von Sex wird in vielen Betten die Zeit knapp. Das liegt nicht nur am wachsenden Alltagsstress und fehlender Muße. Bei jedem fünften Mann verkürzt Studien zufolge regelmäßig der vorzeitige Samenerguss den Geschlechtsverkehr. Statt etwa fünf Minuten bleiben den meisten Betroffenen weniger als zwei Minuten bis zur Ejakulation, einigen auch nur wenige Sekunden, da sie nicht in der Lage sind, die Kontrolle über den Samenerguss und den Orgasmus zu steuern. Klar, dass dies die sexuelle Erfüllung und Lebensqualität beider Partner spürbar beeinträchtigen kann. Hinzu kommt: Die aus dem abrupten „Aus“ resultierenden Scham- und Schuldgefühle des Mannes sowie die Enttäuschung und Frustration der Frau belasten die Beziehung nicht selten erheblich.

Sexuelle Probleme werden gern verdrängt

Obwohl der wissenschaftlich „Ejaculatio praecox“ genannte vorzeitige Samenerguss zu den am weitesten verbreiteten sexuellen Funktionsstörungen beim Mann gehört und mit einem hohen Leidensdruck verbunden sein kann, , wendet sich nicht einmal jeder zehnte Betroffene an einen Arzt. Gerade bei sexuellen Funktionsstörungen bestehen bei Männern auch heute noch enorme Vorbehalte und Hemmungen – Ideal und Realität klaffen in diesem Fall besonders weit auseinander. Nicht selten bedarf es daher der Unterstützung und des Zuspruchs durch die Partnerin, damit sich vom vorzeitigen Samenerguss betroffene Männer einem Spezialisten anvertrauen.

Hauptansprechpartner bei Ejaculatio praecox sind Urologen und Sexualmediziner

Mit einer Erkältung geht man zum Hausarzt, mit einer Sehschwäche zum Augenarzt und mit Zahnschmerzen zum Zahnarzt – doch wer ist zuständig, wenn es im Bett nicht wie gewünscht läuft? Die Unsicherheit und Unwissenheit, welcher Facharzt sich für die Behandlung des vorzeitigen Samenergusses empfiehlt, ist groß. Ansprechpartner für Fragen rund um die männliche Sexualität sind insbesondere Urologen und Sexualmediziner. Sie sind u.a. spezialisiert auf sexuelle Funktionsstörungen und behandeln in ihren Praxen regelmäßig Patienten mit dergleichen Problemen. Sicher: Der erste Schritt erfordert vom Betroffenen ein wenig Mut – ist das Anliegen klar, läuft das Gespräch im Allgemeinen jedoch ausgesprochen sachlich ab.

Meist reichen für die Diagnose wenige gezielte Fragen

Für eine Diagnose, wird der Arzt dem Ratsuchenden ein paar Fragen stellen. Wichtig in diesem Zusammenhang sind für den Arzt insbesondere die für den Geschlechtsverkehr zur Verfügung stehende Zeitspanne, das Ausmaß der Kontrolle über die Ejakulation sowie der Leidensdruck des Betroffenen beziehungsweise seiner Partnerin. Sinnvoll ist es, dem Arzt die mit dem vorzeitigen Samenerguss verbundenen Umstände und Probleme so präzise wie möglich zu schildern. Die Erfassung der medizinischen Vorgeschichte des Patienten sowie gezieltes Nachfragen ermöglichen es dem Arzt, herauszufinden, was den vorzeitigen Samenerguss verursacht – wie etwa eine Erektionsstörung, eine Erkrankung der Schilddrüse oder Prostata, eine neurologische Störung oder eine Depression.

Arzt und Patient entscheiden gemeinsam über die Behandlung

Die meisten Patienten mit Ejaculatio praecox sind von der sogenannten lebenslangen Form betroffen. Diese ist unabhängig von Alter, sexueller Erfahrung oder Partnerin. Bei der lebenslangen Form geht die Wissenschaft inzwischen von einer teilweisen erblichen Veranlagung für die Funktionsstörung aus. Sie soll zu einer Fehlsteuerung des Nervenbotenstoffs Serotonin führen. , Serotonin ist ein Nervenbotenstoff, der unter anderem für die Hemmung des Ejakulationsreflexes zuständig ist. Den Betroffenen nimmt diese Erkenntnis verständlicherweise eine große Last von den Schultern – befreit sie die Männer doch von Schuldgefühlen, etwaigen Sorgen um ihre Gesundheit und eröffnet Behandlungsmöglichkeiten. Neben sexual- und paartherapeutischen Verfahren gibt es beispielsweise Medikamente, die auf den Serotoninhaushalt wirken und die Zeit bis zum Samenerguss verlängern können. Nach umfassender Beratung entscheidet der Patient gemeinsam mit dem Arzt, welche Therapiemöglichkeit für ihn infrage kommt. Ein Folgetermin bietet die Möglichkeit, die Behandlung und das Therapieergebnis zu überprüfen sowie noch offene Fragen zu klären.