Interview mit Claus Kleber

6. Mai 2010

Er ist das Nachrichtengesicht des ZDF. Und auch wenn er häufig für Dreharbeiten den Mainzer Lerchenberg verlässt, mehrmals im Jahr zieht es Claus Kleber in die Region, die er seine Heimat nennt: Reutlingen und Tübingen.

 

Claus Kleber. Foto: Landwehr.

 

Herr Kleber, Ihnen hat man das Etikett des Frauenschwarms verpasst. Wie lebt es sich damit?

“Es gibt schlimmeres. Aber ich habe erst einen Heiratsantrag in sechs Jahren bekommen. Mein Markenzeichen sind die blauen Augen und die schiefe Haltung. Letztere ist ganz einfach zu erklären. Hinter unserem Moderationstisch steht ein alter Ikea-Hocker. Darauf kann ich nicht richtig sitzen. Denn das Studio ist zu niedrig, um die Lampen so hoch zu hängen, dass man stehen kann. So kommt meine Haltung zustande.”

Daran könnte sich ja bald etwas ändern. Beim heute-journal stehen Veränderungen an. Was genau ist dort geplant?

“Der Look der Sendung wird in acht Wochen ein ganz anderer sein. Unsere Zuschauer werden ein sehr viel größeres, kühleres oder auch “cooleres” Studio mit viel mehr Bewegungsmöglichkeiten erleben. Dieses Studio ist ziemlich überwältigend wenn man es sieht. Es wird eisblau und modern sein. Für die Zuschauer ist es sicher gewöhnungsbedürftig. Ich bin gespannt auf die ersten Reaktionen. Aber ich bin sicher, dass es ihnen gefallen wird.

Die Funktion ist, politische Vorgänge besser erklären zu können. Etwa dadurch, indem wir die Möglichkeiten des modernen Fernsehens erstmals ausnutzten, um Dinge, die sonst sehr abstrakt sind, klarer zu machen.

Wird sich neben dem Studio auch die Sendung ändern?

“Die Sendung wird hoffentlich spannender, einleuchtender und abwechslungsreicher. Die Inhalte werden aber nicht wesentlich anders werden, wir werden nur versuchen, sie besser zu vermitteln.”

Welche Rolle spielt das Internet für Ihre Sendung?

“Wir können im Internet viel tiefgründiger auftreten, als in dreißig Minuten “heute-journal”. Aber ich glaube, dass die fertig aufbereitete halbe Stunde abends für viele Menschen das Eingangstor bleiben wird, von dem aus sie dann stärker ihre Individualinteressen bedienen.”

Dem ZDF wird häufig bescheinigt, ein relativ altes Publikum zu haben….

“Ich glaube nicht, dass die Aufteilung zwischen jungen und alten Zielgruppen funktioniert. Jedenfalls nicht bei Nachrichten. Ein Iphone benutzen 16jährige Schüler genau so gerne wie 60jährige Manager. Es gibt also Dinge die gut sind, die funktionieren und benutzerfreundlich sind. Wenn einem das gelingt, gibt es keine Altersschranken.”

Eine Frage die sich viele stellen, aber nicht beantworten können ist: Wo steht Claus Kleber politisch?

“Das würden sie gerne wissen. Ich habe alle demokratischen Parteien schon mal gewählt. Ich bin von Herzen ein Wechselwähler. Aber ich finde es wichtig, dass der Moderator einer Sendung das offen lässt. Ich schulde niemanden etwas. Und ich möchte, dass die Leute auch wenn ich irgendwann 75 Jahre alt bin, mich immer noch nicht In ein politisches Kästchen einordnen“

Bei der Debatte um die Vertragsverlängerung von Nikolaus Brender haben sich Politiker stark eingemischt. Halten sie die bestehenden Strukturen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer noch für geeignet?

“Tendenziell mischen sich Parteien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu viel ein. Ich halte den Verwaltungsrat aber für zeitgemäß, wenn sich die gesellschaftlichen Vertreter dort ihrem Gewissen verpflichtet fühlen und sich nicht von politischen Stimmensammlern einfangen lassen. Wenn wir unabhängige Köpfe in diesen Gremien haben dann ist das weiterhin die beste Form so etwas zu organisieren.”

Könnten Sie sich vorstellen, zu einem privaten Sender zu wechseln?

“Schwer. Ich bin ein durch und durch öffentlich-rechtlicher. Als RTL versprach, eine große Informationsoffensive zu starten, war das mal eine Alternative, aber daraus ist ja nichts geworden. Mit dem, was mich interessiert, bin ich bei den öffentlich-rechtlichen am besten aufgehoben.“