Essen erradeln

14. April 2014

Eine Stadt erkunden und kennenlernen – das geht ideal per Rad. Das gilt auch für Essen und ihre Industriekultur. Auf zwölf unterschiedlichen touristischen Themenrouten lässt sich die Stadt Essen erkunden. Die Karten für diese Wege, die kostenlos unter anderem in der EMG-Touristikzentrale am Hauptbahnhof erhältlich sind, müssen regelmäßig überarbeitet und neu herausgegeben werden. Denn immer wieder werden neue Radwege fertig gestellt, wird der Verlauf vorhandener Routen optimiert. Ein Schwerpunkt: das industriekulturelle Erbe der Stadt. Einige Strecken sind selbst Teil der Industriekultur, denn sie verlaufen auf den Trassen ehemaliger Zechen- und Werksbahnen. Wo die Loks gut fuhren, kommen auch Radler perfekt zum Zuge: Die Trassen führen steigungsfrei durchs Grüne, sind heute einzig und allein Radfahrern vorbehalten. Und sie verknüpfen das UNESCO-Welterbe Zollverein auch mit weniger bekannten Industriedenkmälern wie dem knallroten Fördergerüst der ehemaligen Zeche Bonifacius oder dem Malakow-Förderturm der Zeche Carl, sie verbinden Gruga-Park und Innenstadt, Universität und Biergärten am Baldeneysee.

Vor allem auf solchen Wegen sind die aktiven Teilnehmer des „Essener Raderlebnistags“ am 27. April unterwegs, denn die Veranstaltung mit dem Austragungsort unterhalb des Girardethauses in Essen-Rüttenscheid bietet nicht nur theoretische Informationen sondern auch ganz praktische Rad-Erlebnisse auf zwei Rundkursen. Der kürzere führt auf 32 Kilometern durch Altendorf, Standort der ehemaligen Krupp-Werke und der modernen ThyssenKrupp-Zentrale, und dann in weitem Bogen Richtung Süden zum Baldeneysee. Der längere erschließt auf 47 Kilometern das UNESCO-Welterbe Zollverein im Norden der Stadt. Wer ohne eigenen Drahtesel kommt, kann dennoch mitfahren, denn natürlich sind die unterschiedlichen Anbieter von Leihfahrrädern beim Raderlebnistag ebenfalls mit von der Partie.

„Mit dem Essener Raderlebnistag wollen wir erneut darauf aufmerksam machen, wie gut sich das Essener Radwegenetz insgesamt entwickelt hat“, so Eva Sunderbrink, Geschäftsführerin der EMG – Essen Marketing GmbH. „Nicht nur die Essener, auch die Gäste der Stadt profitieren von dieser idealen Verknüpfung des Radwander-Genusses mit der Industriekultur.“ Und wer an diesem Tag keine Zeit hat, kann selbstverständlich auch zu jedem anderen Termin auf eigene Faust durch Essen radeln – sogar ohne Karte, GPS und Vorbereitung, denn die zwölf Themenrouten und weitere Wege sind lückenlos beschildert. So können Speichenritter etwa auf der „Kirchentour Nord“ rund 1200 Jahre Stadtgeschichte am Beispiel von 15 Gotteshäusern erleben – vom Essener Dom in der Innenstadt, der im Jahr 852 erbaut wurde, über die Stiftskirche St. Maria in der Not aus dem Jahr 1075 bis hin zum „Bergmannsdom“ auf dem Katernberger Marktplatz, einer Stahlsäulenhalle mit historisierender Backsteinfassade aus dem Jahr 1901. Manchem mag dieses Thema zu trocken sein – und fährt vielleicht lieber die „Biergartentour“ oder die „Wasserroute“. Letztere verknüpft Emscher und Rhein-Herne-Kanal mit dem Ruhrtal und dem Baldeneysee – und ermöglicht so den Wechsel zwischen zwei beliebten überregionalen Routen durch Essen.

Der „Ruhrtalradweg“ von Arnsberg via Essen nach Duisburg-Ruhrort zählt laut Fahrradclub ADFC mittlerweile zu den zehn beliebtesten und meistbefahrenen Fern-Radwegen Deutschlands. Der „Emscher Park Radweg“ ist überregional noch ein Geheimtipp, bei Radlern aus dem Ruhrgebiet jedoch sehr beliebt. Schließlich macht er die vielleicht spannendste Baustelle der Region erlebbar: Bis 2020 verwandeln sich die Emscher und ihre Zuflüsse von Abwasserkanälen in ein naturnahes Fluss-System. Im Essener Norden entstanden so bereits liebliche Bachläufe, die allesamt von Radwegen, den „Wegen zum Wasser“, begleitet werden. Grüner und entspannter lässt sich die Stadt wirklich nicht erkunden und kennenlernen.