Eine Kurzbiografie: Jane Austen

5. August 2019

Sie gilt als die weibliche literarische Legende des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die im Jahr 1775 in Hampshire in England geborene Schriftstellerin Jane Austen ist vor allem für ihre Gesellschaftskritik in Romanen wie „Sinn und Sinnlichkeit“ und „Stolz und Vorurteil“ bekannt, die neben vielen weiteren Werken erfolgreich verfilmt wurden. Wie so oft bei damaligen Künstlern waren ihre Liebesromane zu ihrer eigenen Lebenszeit nicht besonders verbreitet. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Jane Austens Meisterwerke jedoch immer beliebter und gelten heutzutage sogar als literarische Klassiker, die den Übergang von der Romantik zum Realismus dokumentieren.

Die jungen Jahre

Jane Austen wurde als das siebte Kind und die zweite Tochter in die Familie von Cassandra und George Austen hineingeboren. Janes Eltern waren nicht nur pädagogisch engagiert, sondern auch angesehene Gemeindemitglieder: Ihr Vater fungierte als Rektor in Oxford und ermutigte seine Kinder stets, die Bücher in seiner umfangreichen Bibliothek zu lesen. Die Familie war sich sehr nah und die Kinder wuchsen in einem Umfeld auf, in dem Lernen und kreatives Denken im Vordergrund standen. Jane und ihre Geschwister schrieben sogar regelmäßig Theaterstücke, die sie zu besonderen Feierlichkeiten aufführten. Um eine gehobene Ausbildung zu erhalten, schickten die Eltern Jane und ihre ältere Schwester Cassandra auf ein Internat. Während ihres Internatsaufenthalts erkrankten die beiden an Typhus und starben fast an den Folgen der heimtückischen Krankheit

Literarische Werke und Stil

Jane war schon immer von der Welt des Schreibens und Lesens fasziniert und fing in jungen Jahren an, ihre eigenen Kurzromane zu schreiben. So entstand im Jahr 1790 das Werk „Liebe und Freundschaft“, eine Serie von Liebesbriefen, die auf humorvolle Weise romantische Fiktion parodierten. Die zynische Abhandlung von kitschigen Liebesgeschichten entwickelte sich bei Jane Austen also schon früh. Auf ähnliche Weise verfasste sie auch ihren Roman „Verstand und Gefühl“, den sie im Jahr 1811 veröffentlichte. Janes Schreibstil zeichnet sich dabei nicht nur durch ihren Humor und eine ausgeprägte Schlagfertigkeit aus; sie verwendet auch viele außergewöhnliche Metaphern und Analogien, um ihre Protagonisten zu beschreiben. Im Meisterwerk „Stolz und Vorurteil“, das vor allem in den 90er Jahren durch die Verfilmung mit der britischen Schauspielerin Keira Knightley bekannt wurde, vergleicht Jane ihre Charaktere mit verschiedenen Kartenspielen.

Jane Austen. Abbildung: The University of Texas at Austin/ Noel Collection Duyckinick, CC0 Public Domain

Die späteren Jahre

Kurz nachdem Jane mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrer Schwester Cassandra nach Bath zog, verstarb ihr Vater an den Folgen einer schweren Krankheit. Daraufhin geriet die Familie in große finanzielle Schwierigkeiten. Die Frauen zogen von Haus zu Haus, um vorübergehend bei verschiedenen Verwandten und Freunden unterzukommen. Erst neun Jahre später konnten sie sich in Chawton im Haus des Bruders niederlassen und genossen eine relativ stabile Lebenssituation. Mit Mitte 30 begann Jane, ihre Werke unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. Darunter waren Romane wie „Sinn und Sinnlichkeit“ sowie „Mansfield Park“ und auch „Emma“. Das von Kritikern meist gepriesene Werk, „Stolz und Vorurteil“ beschrieb Jane später humorvoll als ihr „liebes Kind“, da sie bis zu ihrem Tod kinderlos verblieb.

Tod und Vermächtnis

Im Alter von 41 Jahren erkrankte Jane an der sogenannten Addison-Krankheit. Bei dieser handelt es sich um die Erkrankung der Nebennierenrinde, die aufgrund einer Störung nicht genügend Botenstoffe produziert. Obwohl die Krankheit heutzutage als heilbar gilt, endete sie damals bei allen Betroffenen tödlich. Trotz ihres geschwächten Körpers, versuchte Jane jedoch im Verlauf der Krankheit in ihrem normalen Tempo weiterzuarbeiten. So verfasste sie vor ihrem Tod im Jahr 1817 zwei weitere Romane mit den Titeln „Die Brüder“ und „Überredung“. Beide Schriften wurden erst nach ihrem Tod veröffentlicht und erhielten äußerst positive Kritiken. Heute gilt Jane Austen als eine der größten Schriftsteller der englischen Geschichte. Im Jahr 2002 wurde sie von der britischen Öffentlichkeit im Rahmen einer Umfrage zu den „berühmtesten Briten aller Zeiten“ gewählt. Ihre Werke werden bis heute immer wieder neu interpretiert und dienten bereits als Vorlage für eine Reihe zeitgemäßer Filme und TV-Serien.

Tipp: Alle Literaturfans, die nach London reisen, sollten sich keineswegs die Jane Austen Literatur-Tour entgehen lassen. Solche Führungen werden übrigens auch auf Deutsch angeboten.