Eine Kulturexpedition durch Gefängnisse

26. Juli 2010

Der auf europäischen und lateinamerikanischen Bühnen gefeierte Liedermacher Silvio Rodriguez präsentierte sich kürzlich im Strafvollzugszentrum von Guanabacoa, einem östlichen Stadtteil Havannas. Er trug den Häftlingen einen Teil seiner schönsten Werke vor.

Diese Kunst-Aktion, die er Expedition nennt und die Kuba von einem Inselrand zum andern durchquert, trägt die gegenwärtige Kulturwelt durch die Staatsgefängnisse. Neben der Klangfülle von Musik und Liedern von Rodriguez stellen sich die plastischen Künste und die Literatur gleichzeitig vor. Dazu umgibt sich der ausgezeichnete Darsteller mit der Flötenvirtuosin Niurka González, dem Komponisten und Sänger Amaury Pérez, den sanften aber sehr melodiösen Mädchen der Gruppe Sexto Sentido, dem Liedermacher Vicente Feliú, dem Improvisator Alexis Diaz Pimienta, dem Nationalpreisträger der Literatur Reynaldo González und dem Kunstmaler Ernesto Rancaño. Diesen schließen sich jeweils  junge Maler und Künstler aus dem Kreis der Häftlinge an.

Silvio Rodriguez hat über 600 Kompositionen geschaffen. Er ist Mitbegründer des Movimiento de la Nueva Trova der 60er Jahre sowie der Gruppe der Tonexperimentatoren des ICAIC (Kubanisches Institut der Künste und der Filmindustrie). Seine Berühmtheit erlangte er durch Aufnahmen wie „La era esta pariendo un corazón“, „Ojalà“, „Retrato de mujer sin sombrero“, „Canción de la Trova”. Diese überragen die weiteren rund 600 Titel seiner Discographie.

Silvio Rodriguez bekennt offen, dass er dieses Expeditionsunternehmen vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang in den Gefängnissen Kubas zur Stärkung des Positiven im Menschen den Inhaftierten widmet. Wie der kubanische Freiheitskämpfer und Nationalheld José Marti glaubt er felsenfest an eine verbesserungsfähige Menschheit.

Das Tagblatt Juventud Rebelde (Revolutionsjugend) rapportierte dann auch, dass Silvio Rodriguez sich mit viel herzlicher Zuneigung und bemerkenswerter Hochachtung jeweils an die Häftlinge wendet: „Ihr seid ein Teil des Volkes, und da wir mit dem Volke solidarisch sind, sind wir auch solidarisch mit euch!“

Zweifellos wird diese ungewöhnliche künstlerische und humanitäre Expedition ein positives Echo in nächster Zukunft offenbaren und, wer weiß, vielleicht ein neues Wertebarometer für weitere Einsätze schaffen.

Text: Marco Antonio Martinez Cabrerizo

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