Diese Milchschaum-Typen gibt es

16. Dezember 2013

kaffee-milchschaumFür die Deutschen ist Italien spätestens seit Goethes Zeiten ein Land der Sehnsucht. Einer Sehnsucht, die ihren modernen Ausdruck auch in der Vorliebe für italienische Kaffeekunst findet: Ob Cappuccino, Caffè Latte oder Latte Macchiato, Hauptsache er ist aromatisch und von einer Haube aus Milchschaum gekrönt. Da die Italiener selbst ihre Kaffeespezialitäten weit weniger milchig und schaumig lieben, ist der Latte Macchiato-Kult jedoch ein eher deutsches Phänomen. Bei dem Kaffemaschinenhersteller De’Longhi ist man der Sache jetzt einmal auf den Grund gegangen: Woher kommt die besondere Lust der Deutschen an Kaffee mit Milchschaum? Was sagt sie über uns aus, und gibt es womöglich klar unterscheidbare Milchschaum-Typen?

Das Kaffeetrinken gehört zu Deutschland wie der 5-Uhr-Tee zu England. Aber mit unserer Gesellschaft ändert sich auch die Art und Weise, Kaffee zu genießen. Der Weg von den eher traditionell geprägten Lebenswelten der Nachkriegszeit zu mehr persönlicher Freiheit und Individualismus ist zugleich der Weg vom betulichen Kaffeekränzchen hin zum – mal belächelten, mal zelebrierten – Latte Macchiato-Kult der Großstädte. Das macht sich selbst in der Form der Tassen bemerkbar. Die zierlichen Tässchen von Omas Service sind völlig aus der Mode gekommen. Für den Liebhaber italienischer Kaffeespezialitäten sind Gläser und Becher nicht nur Trinkgefäße, sondern auch Ausdruck seiner Persönlichkeit. Sie werden heiß geliebt, weil an ihnen Erinnerungen hängen.

Generation Schaum löffelt sich zurück in die Kindheit

Was aber sind das für Momente? Ganz gewiss nicht mehr die „gemütlichen“, in Wahrheit oft steifen, familiären Tischrunden von früher. Cappuccino, Caffè Latte oder Latte Macchiato genießen wir vielmehr dann, wenn wir ganz bei uns selbst sind, wenn wir alleine sein, unseren Gedanken nachhängen und uns selbst etwas gönnen möchten: nach dem Aufwachen, in den Pausen, nach der Arbeit oder um die zweite Hälfte des Tages einzuläuten. Es sind die Momente, in denen wir ein wenig zur Ruhe kommen und gleichzeitig neue Energie tanken.

Die entscheidende Frage aber lautet: Warum müssen es in diesen Momenten unbedingt Kaffeespezialitäten mit Milchschaum sein? Ein von De’Longhi beauftragtes Psychologen-Team hat darauf eine verblüffende Antwort gefunden: Die Latte Macchiato-Freunde von heute gehören einer Generation an, die in den 80er und 90er Jahren mit neuen Formen von süßen, schaumig-cremigen Desserts aufgewachsen ist. Der Milchschaum auf dem Kaffee ist nichts anderes als die „erwachsene“ Art dieser Schaumdesserts. Indem wir im Milchschaum löffeln und damit spielen, löffeln wir uns also ein wenig zurück in die Kindheit. Und weil auch beim Naschen jeder seine Vorlieben hat, soll auch der Milchschaum den individuellen Vorstellungen entsprechen. Die einen mögen ihn eher fest, die anderen cremig, die dritten luftig, manche nehmen ihn mit braunem oder weißem Zucker, wieder andere mit Kakaopulver oder Zimt. Die Zahl der Milchschaumvarianten ist sehr vielfältig.

Die Deutschen und ihr besonderes Verhältnis zum Milchschaum

Im Auftrag von De‘Longhi haben Psychologen die Trinkgewohnheiten der deutschen Kaffeetrinker etwas genauer unter die Lupe genommen und dabei sechs verschiedene Milchschaumtypen identifiziert. Diese unterscheiden sich weniger danach, welchen Milchschaum sie mögen, sondern danach, wie sie ihn genießen.

Milchschaum-Relaxer
Ein seelenkundiger Psychotherapeut in eigener Sache ist der Milchschaum-Relaxer. Er lebt ganz entspannt im Hier und Jetzt, weil er den Kaffeegenuss ganz gezielt als Meditationshilfe nutzt. Brauchte es in den rauchgeschwängerten Zeiten der 60er noch eine Zigarette, um nicht gleich in die Luft zu gehen, so tut es heute ein Latte Macchiato. Der Relaxer gönnt sich eine Auszeit, und genießt die beruhigende Wirkung, die von der rituellen Milchschaum-Zubereitung ausgeht. Er weiß, wie er sich selbst am besten etwas Gutes tut.

Milchschaum-Nascher
Weit verbreitet und sehr typisch ist der Milchschaum-Nascher. Er möchte Süßigkeiten naschen, wohl wissend, dass er sich das eigentlich verkneifen sollte. Also tarnt er sein Naschbedürfnis als „erwachsenen“ Kaffeegenuss, süßt den Milchschaum bis zum Äußersten, freut sich am Knistern des Zuckers im Mund und probiert jede denkbare Veredelung des Milchschaums aus, etwa mit Streuschokolade, Zimt oder Sirup. Diese Zutaten erfordern wieder genüssliches Umrühren. Für ihn ist das Kaffeetrinken ein lustvoll ritualisiertes Spiel, das nach außen als nüchtern-rationale Handlung erscheint.

Milchschaum-Ästhet
Für den Milchschaum-Ästheten ist der Kaffee, was für Klassik-Liebhaber die Wagner-Oper ist: ein Gesamtkunstwerk. Er überlässt nichts dem Zufall, alles muss seiner Vorstellung entsprechen: Dunkler Kaffee und heller Schaum müssen perfekt geschichtet sein, bevor sie beim Verrühren zu wolkigen Formen zerfließen. Überhaupt hat seine Art, Kaffee zu zelebrieren, etwas von anmutender Eleganz. Er will einerseits repräsentieren – was sich auch in den edlen De’Longhi-Kaffeevollautomaten, Gläsern und Tassen zeigt – andererseits der Wertschätzung für seine Gäste Ausdruck verleihen. Sein Image schwankt stets zwischen dem des zurückhaltenden Feingeists, des perfekten Gastgebers und des stolzen Besitzers.

Milchschaum-Spieler
Wohl am kreativsten ist der Milchschaum-Spieler. Bei ihm kann es sich ebenso gut um einen Künstler, einen Ingenieur oder einen Erfinder handeln. Wichtig ist ihm, dass immer alles in Bewegung ist und er sich schöpferisch mit den Dingen beschäftigen und immer Neues ausprobieren kann. „Löffeln, schichten, schieben, rieseln“ lautet seine Devise. Mal schaufelt er ein Gebirge aus geschäumter Milch, mal bohrt er ein Loch hinein, nur um es gleich wieder aufzufüllen, mal experimentiert er mit Zucker oder Keksen, um zu sehen, wie sie sich mit Kaffee vollsaugen. Und wie ein zerstreuter Professor merkt er das Ganze oft nicht einmal. Ans Trinken denkt er ganz zuletzt. Es gibt schließlich noch so vieles, was man mit Milchschaum anstellen kann.

Milchschaum-Pragmatiker
Und schließlich ist da noch der Milchschaum-Pragmatiker, der nicht selten in Führungspositionen und nicht ganz stressfreien Berufen zu finden ist. Tests, Spielereien, Rituale und Ästhetik spielen bei diesem gut sortierten Organisationstalent eher eine untergeordnete Rolle. Sein Leben findet weitgehend auf der Überholspur statt und will ökonomisch getaktet sein. Aber auch die Freuden des Lebens sollen möglichst in den Terminplan passen. Was er sucht, ist Genuss ohne langen Anlauf. In Sachen Latte Macchiato oder Cappuccino heißt das: Knopf drücken, Zucker rein, umrühren, fertig!