Die kleine Kaffee-Geschichte

12. August 2015

Pro Kopf trinken Deutsche 162 Liter Kaffee getrunken, das Liter Kaffee im Jahr – das ist mehr als Mineralwasser (143,5 l) oder Bier (107 l). Doch war Kaffee immer schon so beliebt? Die kleine Kaffee-Geschichte schaut in die Vergangenheit:

 

Kaffee und Gesundheit

Kaffee galt früher als Heilmittel. Bis ins 12. und 13. Jahrhundert wurden die wertvollen Bohnen hauptsächlich zu Heilzwecken angebaut. In Europa kam das Getränk erst im 17. und 18. Jahrhundert in Mode und wurde anfangs vor allem in Apotheken verkauft – denn auch hier wurde Kaffee als Arzneimittel gesehen. Erst später entdeckten die Menschen auch die genussvollen Kaffee-Seiten.

Kaffee und Handel

Nicht jeder durfte früher Kaffee anbauen oder damit handeln. Die arabische Welt, in der Kaffee zuerst Fuß fasste, hat ihr Kaffeeanbau- und Handelsmonopol streng gehütet. So wurden beispielsweise rohe Kaffeebohnen mit heißem Wasser übergossen, damit sie nicht keimen konnten. So war auch kein Handelspartner in der Lage, selbst Kaffee anzubauen. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Im 16. und 17. Jahrhundert entwendeten die Niederländer Kaffeesträucher und pflanzten sie in ihren Kolonien an. Im Lauf des 18. Jahrhunderts breitete sich Kaffee immer weiter aus und wurde schließlich rund um den Erdball angebaut.

 

Kaffee und Staat

Von der fortschreitenden Beliebtheit des Kaffees wollte früher schon der Staat profitieren – und zwar bereits vor über 200 Jahren. Friedrich der Große führte 1781 ein staatliches Kaffeemonopol ein und verhängte auch gleich einen „Brennzwang“. Damit war das Rösten von Kaffee nur noch in staatlichen Röstereien erlaubt. Privatleute – sofern sie sich diesen Luxus überhaupt leisten konnten – durften weder Kaffeebohnen besitzen, noch selbst welche rösten. Um zu überprüfen, ob sich die Bürger auch an das Gesetz hielten, setzte Friedrich der Große sogenannte „Kaffeeschnüffler“ ein. Sie sollten am Röstgeruch unfolgsame Bürger entlarven.

Kaffeehäuser und Coffeeshops

Wer hätte es gedacht? Im Juli 1789 sprang der Rechtsanwalt Camille Desmoulins im Café du Foy im Pariser Palais Royal auf einen Tisch und rief zum Kampf gegen die Aristokratie und für „Freiheit und Gleichheit“ auf. Kaffeehäuser waren früher Treffpunkte für Debatten und Diskussion – und manchmal auch eine Revolution.

Heute sind Kaffeehäuser, Cafés und Coffeeshops in Europa eher unpolitisch. In den knapp 2.200 Coffeeshops und Coffeebars in Deutschland steht der Genuss im Vordergrund und nicht die politische Auseinandersetzung. Kaffee ist zu einem Lifestyle-Getränk geworden, das unabhängig von Ort und Zeit getrunken wird, in kalten oder warmen Varianten.

Kaffee im Sozialismus

Ende der 1970er Jahre spürte der damalige DDR Staatschef Erich Honecker, dass beim Kaffee für die meisten Bürger der Spaß aufhört. In der DDR war reiner Röstkaffee schier unerschwinglich. Schließlich führte die Parteiführung einen Mix aus Kaffee und Getreide, Zuckerrüben und Erbsen ein. Dieser Kaffeeersatz schmeckte den Bürgern überhaupt nicht und wurde in Anlehnung an westdeutsche Produkte als „Erichs Dröhnung“ verschmäht. Die Unzufriedenheit der Bürger wurde sogar offen geäußert, ein Volksaufstand drohte. Schnell suchte die Politik nach Abhilfe und kaufte im Ausland Kaffee ein. Um langfristig den Mangel an Kaffee abzustellen, sollte das sozialistische Bruderland Vietnam Kaffee anbauen.

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