Das Neue Blech

14. August 2017
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Christoph Endres aus Nürnberg baut Blechblasinstrumente per Hand und erfindet sogar neue. Sein Innovationsgeist in Verbindung mit hoher Handwerkskunst machen ihn zu einem wichtigen Vertreter der reichen Musiklandschaft der Frankenmetropole – und zu einem der wenigen Metallblasinstrumentenmachermeisters in Deutschland.

In Deutschland gibt es nur noch sehr wenige Metallblasinstrumentenmachermeisters. Christoph Endres betreibt seine Meisterwerkstatt „Blech in Nürnberg“ in der Südstadt, genauer im geschichtsträchtigen Galgenhofviertel. Dabei repariert er in seiner offenen Werkstatt nicht nur Instrumente oder baut neue. Er beeindruckt seine Kunden auch mit maßgefertigten Einzelstücken, die es in der Form vorher oft nicht gab.

Die Faszination des gebürtigen Nürnbergers für seinen Beruf entstand, als er als Schüler seine Gitarre zur Reparatur zu einem Instrumentenmacher brachte. Atmosphäre, Geruch und die Kombination aus Musik und Mechanik beeindruckten ihn. So machte er mit 18 eine Ausbildung bei einem bekannten Tubabauer. Und auch seine Herkunft schafft ein gewisses Interesse: Nürnberg war lange das weltweite Zentrum des Instrumentenbaus. Vom 12. bis zum 16. Jahrhundert konnten ausschließlich hier Metallblasinstrumente wie Trompeten hergestellt werden. Posaune und Klarinette wurden sogar in der Frankenmetropole erfunden.

40 Arbeitsstunden pro Trompete

In eine Trompete, Tuba oder ein Horn steckt der Instrumentenliebhaber circa 40 Arbeitsstunden, die sich seine Kunden am Ende um die zweieinhalb Tausend Euro kosten lassen. Als Grund, warum sich viele für das hochwertige Unikat im Gegensatz zu einem günstigeren, fabrikgefertigten Instrument entscheiden, nennt Endres die bessere Ansprache. „Der Ton kommt sofort, außerdem stehen sie unter größerer Spannung und haben daher mehr Obertöne“, so der Nürnberger. Wer sich beispielsweise für eine Trompete interessiert, dem stehen im Laden um die zehn Modelle zum Test zur Verfügung. So bekommen die Kunden ein Gefühl, was sie brauchen. Viele seiner Abnehmer sind Profimusiker, die Spezialanfertigungen anfragen.

So auch Stefan Schalander, Trompeter der Bamberger Brass-Band Kellerkommando. Für ihn entwickelte der Experte eine nie dagewesene Trompete: Speziell für die wilden Bühnenshows der Band sollte sie leicht und mit einer Hand bedienbar sein. Gleichzeitig aber wollte sie der Brass-Musiker dem eher „lauten“ Stil von Kellerkommando entsprechend hell und scharf spielen – entgegen ihres üblicherweise leisen Klangs, um die anderen Instrumente nicht zu übertönen. Zwei Jahre lang arbeitete Endres an dem „Kellerhorn“, wie er das Unikat für Schalander nennt.

Dass die Stücke des leidenschaftlichen Instrumentenbauers so nachgefragt sind, ist neben seinem Talent auch dem Trend der modernen Brass Musik zu verdanken. Viele junge Leute entdecken die Blechblasmusik wieder für sich. Brass-Bands wie La Brass Banda, Die Fexer, Moop Mama oder Kellerkommando vermischen traditionelle bayerische Blechblasmusik mit Einflüssen vom Balkan, aus der jüdischen Klezmermusik oder aus Russland. Endres‘ Erklärung für den Trend: „In Bayern zählt auch in der Musik die Tradition sehr viel. Da ist es kein Wunder, dass viele Spieler wieder auf ihre Wurzeln der Blaskapelle zurückgreifen.“

Bardentreffen in Nürnberg

Nürnberg hält in Sachen Musik nicht nur den Meister Endres oder eine lange Historie im Instrumentenbau bereit. Die Stadt an der Pegnitz beeindruckt seine Besucher mit zahlreichen Events, die neben hochwertiger Tonkunst jeder Couleur auch die Schönheit der Frankenmetropole zeigen. Das „Bardentreffen“ beispielsweise füllt die Nürnberger Altstadt jährlich mit mehr als 200.000 Menschen. In beeindruckender Kulisse aus feinster Fachwerkarchitektur und mit der thronenden Kaiserburg im Rücken wird auf knapp 100 Konzerten Musik aus allen Ecken der Welt geboten. Mitten im Grünen im Luitpoldhain im Südosten der Stadt lockt außerdem das „Klassik Open Air“ als größtes seiner Art in Europa jährlich mehr als 160.000 Besucher an. Bei einem Picknick unter Freunden lauschen die Gäste den klassischen Klängen seiner beiden hochkarätigen Stadt-Orchester – der Staatsphilharmonie Nürnberg und der Nürnberger Symphoniker. Das „St. Katharina Open Air“ beeindruckt nicht nur mit seinem musikalischen Programm. Allein der Schauplatz – die Ruine der Katharinenkirche in der Lorenzer Altstadt – ist ein Highlight und schafft in den Sommermonaten eine einmalige Konzertatmosphäre. Wer Nürnbergs Musik- und Kulturszene mal aus der Bühnenperspektive beleuchten möchte, dem öffnet das Staatstheater regelmäßig seine Türen für einen Blick hinter die Kulissen. Bei einer geführten Tour durch das Opern- oder Schauspielhaus erfahren Besucher alles von A wie Architektur bis Z wie Zuschauerraum und tauchen hautnah in den Produktionsprozess von Oper und Schauspiel ein.