Bankenkrise in Tübingen

22. Februar 2010
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Die immer wiederkehrende Frage nach den Bänken auf dem neu hergerichteten Bursaplatz veranlasst die Stadtverwaltung zu einer Erklärung: Es war schon in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat festgelegt, dass die Bänke nach der Sanierung des reichlich heruntergekommenen Platzes wieder aufgestellt werden. Dass sie bisher nicht aufgestellt werden konnten, ist wesentlich komplexer begründet, als man vielleicht vermuten würde.

Die Stadt hat nach einem intensiven Beratungsprozess 2004 festgelegt, welcher Typ Bank im Tübinger Stadtgebiet verwendet werden soll. Weil dabei viele Geschmäcker und Nutzungsanforderungen zu beachten sind, war dies keineswegs eine leichte Entscheidung. Die Stadtverwaltung hält sich deswegen strikt an diese Festlegung und stellt nur Bänke des ausgesuchten Typs neu auf.

Leider hat nun im Herbst letzten Jahres der Hersteller der Bänke mitgeteilt, er fertige ab sofort keine Bänke mehr mit heimischen Hölzern. Nun werde zertifiziertes Tropenholz verwendet. Der Gemeinderat der Stadt hat jedoch Ende der 1980er Jahren einen Beschluss gefasst, kein Tropenholz mehr in öffentlichen Bauten einzusetzen. Nach Auffassung der Verwaltung ist davon auch zertifiziertes Tropenholz betroffen, da keineswegs sicher gestellt ist, dass nicht doch Regenwälder vernichtet werden, um das Holz zu beschaffen und mit Eiche oder Esche sehr wohl geeignete heimische Hölzer zur Verfügung stehen. Oberbürgermeister Boris Palmer entschied daher, dass keine Bänke mit Tropenholzbrettern angeschafft werden.

Seither befindet sich die Stadtverwaltung in Verhandlungen mit dem Hersteller. Der Bankentyp, für den man sich in Tübingen entschieden hat, ist geschützt und kann nicht von anderen Firmen bezogen werden. Mittlerweile hat die Firma angeboten, sibirisches Holz statt tropischem Holz zu verwenden. Nach Auffassung der Stadtverwaltung stellt dies keinen Fortschritt dar. Auch die sibirischen Nadelwälder gelten als gefährdet und bedeutsam für das Weltklima. Die Stadtverwaltung beharrt darauf, heimische Hölzer für Sitzbänke kaufen zu wollen.

Wegen dieses Streits mit dem einzigen Hersteller der Tübinger Bank konnte auch der Bursaplatz nicht mehr vor der Winterpause möbliert werden. Nach Ende der Frostperiode sollen die fehlenden Bänke aber kommen. Für diesen speziellen Fall hat die Stadt nur die Unterkonstruktion beim Hersteller gekauft und die so genannte Beplankung in der Schreinerei der Stadtbaubetriebe in Eigenarbeit vorgenommen. Da die Stadt kein Bankhersteller werden will, ist dies keine Dauerlösung. Ob der Hersteller wieder heimisches Holz anbietet oder die Stadt den Bankentyp wechseln muss, bleibt vorläufig offen. Die Tübinger Bankenkrise harrt weiter einer Lösung.

Pressestelle der Universitätsstadt Tübingen