Auf dem “Dusch-WC”

29. November 2015

Dusch-WCs reinigen den Po mit warmem Wasser. Das ist gesünder, hygienischer und angenehmer als das Wischen mit Papier, sagen die Toilettenhersteller. Und die Japaner schwören darauf. Über 75 Prozent der Privathaushalte sind mit den Toiletten ausgestattet. In Deutschland verbreitet sich die neue Hygienemethode nur langsam. Wer das Dusch-WC kennt, hält es meist für eine japanische Erfindung. Dabei wurde die Toilette mit Duschfunktion in der Schweiz erfunden.

Eine neue Hygienekultur in der Schweiz einzuführen – das war das erklärte Ziel des Konstrukteurs Hans Maurer aus Zollikerberg bei Zürich. Innerhalb von zwei Jahren entwickelt er das weltweit erste Dusch-WC. 1957 meldet er die Toilette zum Patent an. Abnehmer findet er vor allem im Pflegebereich. Den großen Durchbruch in die breite Masse schafft er nicht. Auch die Ausweitung des Vertriebs nach Deutschland und in andere Länder steigert den Absatz kaum: Im Jahr 2000, gut 40 Jahre nach der Markteinführung hat Maurers Firma Closomat rund 120.000 Dusch-WCs verkauft. Immer wieder stößt das Dusch-WC an ein großes kulturelles Tabu: Über Intimhygiene spricht man nicht.

Dusch-WC siegt in Japan und dümpelt in Deutschland 

Bewegung kommt in das Dusch-WC-Geschäft als Maurers Patent nach 20 Jahren abläuft. Ein weiteres Schweizer Unternehmen, der Sanitärtechnik-Hersteller Geberit aus Rapperswil-Jona, entwickelt eigene Modelle und bringt bereits 1978 den Dusch-WC-Aufsatz „Geberella“ und im Folgejahr die Komplettanlage „Geberit-o-Mat“ auf den Markt. Zeitgleich mit Geberit nutzen japanische Unternehmen den Ablauf des Patents. 1980 kommt die erste japanische Eigenentwicklung heraus und tritt fast unmittelbar den Siegeszug in Japans Privathaushalte an. Nur zwei Jahre später tummeln sich bereits rund 20 Anbieter auf dem japanischen Markt. In Deutschland hingegen geht es nur schleppend voran, obwohl Geberit hier bereits Marktführer in Sanitärtechnik ist und als Qualitätsmarke Bekanntheit hat.

Beheizte Sitze verhelfen zum Durchbruch

Geberit und Closomat verkaufen zwar stetig weitere Modelle, doch zum großen Hygienewandel in Europa kommt es nicht. Woran liegt das? Martin Baumüller, Leiter des Dusch-WC-Geschäfts bei Geberit: „Die Japaner haben traditionell sehr hohe Hygieneansprüche und ein relativ unverkrampftes Verhältnis zur Toilette, was die Einführung des Dusch-WCs enorm begünstigt hat.“ Ein weiterer Vorteil des japanischen Markts sind laut Baumüller die Voraussetzungen für die Montage: „In japanischen Wohnhäusern gibt es in den separaten WC-Räumen typischerweise keine Heizung, wodurch es im Winter sehr kalt wird. Beheizte Toilettensitze sind deshalb früh zum Standard geworden. Das heißt: Es gibt einen Elektroanschluss am WC, den man für die Warmwasserbereitung der Duschfunktion nutzen kann.“ In Deutschland und in der Schweiz muss dieser Elektroanschluss extra verlegt werden.

Ein weiteres Plus des japanischen Marktes ist die Form der Toiletten. Martin Baumüller dazu: „Im Gegensatz zu europäischen WCs sind die Toiletten in Japan seit jeher relativ standardisiert. Daher konnten Dusch-WC-Aufsätze einfach und kostengünstig nachgerüstet werden.“

Vom Dusch-WC zur eleganten Toilette

Seit einigen Jahren drängen weitere Anbieter in den neu geschaffenen Markt. Ein Trend, der Hemmschwellen abbauen soll, ist bei neuen Modellen deutlich zu erkennen: Die Toiletten sind intuitiv bedienbar und ähneln äußerlich einem herkömmlichen WC.

1 Kommentar

  • Jule
    5 Jahren ago

    Leute, ganz ehrlich, das ist doch nicht euer ernst? SOll ich mir für viel Geld so eine Toilette kaufen nur damit ich dann warmes Wasser in den Hintern geblasen bekommen?